Dent Blanche über den Südgrat August 2020


2020 – Hochtouren

Dent Blanche über den Südgrat August 2020

Die Dent Blanche ist mit 4357m einer der hohen Berge im Wallis und nur wenig niedriger als das direkt gegenüberliegende Matterhorn.
Seit Jahren schon hatte ich diesen Berg auf meiner Wunschliste. Insbesondere wegen der grandiosen Aussicht auf das Matterhorn, aber auch auf die vielen 4000er rundherum bis hin zum Mt. Blanc.
Der Berg besteht weitgehend aus Fels, sodass sowohl im Hüttenzustieg als auch am Gipfeltag nur wenig Spaltengefahr besteht. Ideal also auch für eine Zweierseilschaft.
Am Mittwoch den 19.8.2020 sollte es nun soweit sein. Der Wetterbericht avisierte gutes Wetter und so machten mein Bergkamerad Bernhard und ich uns am Vormittag auf den Weg zur Dent Blanche-Hütte (3507m). Die Reservierung hatte geklappt, wobei wir nur eine Nacht auf der Hütte hatten. Wir mussten also am Gipfeltag auch noch ins Tal absteigen. Das ist deswegen erwähnenswert, weil der Hüttenzustieg mit fast 1800 Höhenmetern und anspruchsvollem Wegverlauf schon als eigenständige Bergtour gelten kann. Die Bewertung ist T5 (sehr schwierig) und der Weg mit 6 Stunden Gehzeit veranschlagt. Immerhin gibt es durchgehend blau-weiße Markierungen, die sich nur im Bereich der großen Moräne teilweise verliert.
Den Berg immer vor Augen absolvierten wir den Aufstieg bei schon recht schönem Wetter und erreichten gegen 16:00 Uhr die Hütte. Die Belegung war Coronabedingt nur 60%, sodass ausreichend Platz an Tischen und im Lager vorhanden war. Am Abend machte der Hüttenwart Marcel dann für alle ein Briefing für den Gipfeltag. Alles Wichtige kam zur Sprache. So erfuhren wir, dass der Wetterbericht schönes, aber windiges Wetter für den Tag meldete und dass der Aufstieg bei gutem Gehtempo und ohne Verhauer ca. 5 Stunden in Anspruch nimmt. Ebenso wie der Abstieg im übrigen, weil das Gelände durchweg felsig-anspruchsvoll ist.
Um 4:00 Uhr wurde geweckt, sodass wir um 4:30 Uhr die Hütte verließen. Anfangs geht es ca. 100 Hm eine Felsrippe hoch, was im Dunkeln zum Einlaufen schon nicht ohne ist. Danach heißt es anrödeln und im Schnee weiter bis zu einem weiteren felsigen Grataufschwung mit Stellen I – II.
Danach folgt eine wunderschöne eisige Gratkuppe, die überschritten wird. Hier hatten wir schon das erste Tageslicht. An der Gratkuppe erwischte uns dann der angekündigte Wind, der die eigentlich angenehmen Temperaturen um 0° sofort in den ungemütlichen Bereich überführte. Schon nach kurzer Zeit waren unsere Gesichter eingefroren und nur dank stetiger Bewegung war es erträglich.
Wieder in den Felsen auf der Nordseite beginnt dann schon die Schlüsselstelle, die Umgehung des Grande Gendarme. Nach einer Querung geht es in einem Coulouir ca. 200 Hm in Kletterei bis III hoch, um hinter dem Grd. Gendarme wieder den Grat zu erreichen. Einige Stangen und Bohrhaken helfen, diese Passage abzusichern bzw. im Abstieg abzuseilen.
Wieder am Grat kam zwar die Sonne raus, aber diese konnte aufgrund leichter Schleierwolken und dem weiterhin heftigen Wind nicht für Wärme sorgen.
Nach ca. 5 Stunden (also voll im Plan) erreichten wir den Gipfel, an dem wir schnell ein paar Fotos machten und dann sofort mit dem Abstieg begannen. Keine der Seilschaften machte aufgrund der Kälte eine längere Gipfelrast. Hinter einem Felsabsatz etwas unterhalb des Gipfels konnten wir dann doch kurz dem Wind entrinnen und die erste nennenswerte Pause der Tour einlegen.
Im Abstieg haben wir 5x je 20-25m abgeseilt und den Rest abgeklettert. Auch dies hat alles gut geklappt, sodass wir ca. 14:00 Uhr wieder an der Hütte waren.
Die Tour ist in jedem Fall als anspruchsvoll zu bezeichnen, vergleichbar mit Bergen wie dem Matterhorn oder Weißhorn. Der Hüttenzustieg zur Cabane de la Dent Blanche ist einer der längsten und anspruchsvollsten im ganzen Alpenraum. Wir sind ca. 14:30 Uhr von der Hütte gestartet und waren dann gegen 18:30 Uhr am Parkplatz. Der Gipfeltag incl. Hüttenabstieg ist konditionell eine Herausforderung. Ganz viel Bier ist am Abend dann nicht mehr nötig, um fröhlich zu sein.
Es ist in jedem Fall unerläßlich, bei dieser Tour vorher gut zu akklimatisieren. Andernfalls muß man eine weitere Nacht auf der Hütte einplanen.

Norbert Siegel


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