2011 – Klettern

Steiler Fels im Rätikon

Der Schwerpunkt des Programms der Sektionsgruppe, die Anfang Juli ins Rätikon aufbrach, lag bei Klettersteigen und alpinem Klettern.
Das Rätikon ist ein Grenzgebirge ganz im Westen Österreichs. Über die höchsten Gipfel verläuft die Schweizer Grenze zu Graubünden (Prättigau) mit dem bekannten Skiort Klosters. Höchster Gipfel der Gruppe ist die Schesaplana, mit 2.965m um 3m höher als unsere Zugspitze.
Nach gemeinsamer Anreise traf sich die Gruppe, bestehend aus zwei Damen und fünf Herren incl. Führer Norbert in Tschagguns-Latschau. Bei tollem Wetter konnte der dank Seilbahnunterstützung stressfreie Weg zur Lindauer Hütte bewältigt werden.
Da einige in der Gruppe „heiß“ auf Klettern waren, wurde am späten Nachmittag noch der schöne, hüttennahe Klettergarten aufgesucht, um ein paar Seillängen zu absolvieren.
Am nächsten Morgen, gestärkt durch gutes Essen und Frühstück wurde der Klettersteig auf die Drusenfluh (2827m) in Angriff genommen. Der Steig mit der Bewertung C verläuft über einige Steilstufen und beinhaltet auch einiges alpines Gehgelände und leichte Kletterei bis Grad II sowie ein größeres Schneefeld. Für den ersten Tag war der Steig eine schöne Herausforderung. Am Gipfel konnten wir trotz einiger Wolken eine tolle Aussicht genießen. Der Abstieg wurde noch durch ein kurzes Regenschauer garniert, so dass wir ab Abend auf einen spannenden Tag zurückblicken konnten. Die unentwegten waren danach noch wieder im Klettergarten.
Für den nächsten Tag stand schon einer der Höhepunkte der Tour - die Überschreitung der Sulzfluh (2817m) mit Übergang über die Schweizer Grenze und Abstieg zur Carschinahütte - auf dem Programm. Mit vollem Tourengepäck und einer geplanten Gehzeit von 7-8 Stunden starteten wir bei strahlendem Sonnenschein um 8:00 Uhr an der Lindauer Hütte. Das Frühstück konnten wir dank des tollen Wetters auf der Terrasse einnehmen, was auf einer Hütte auch keine Selbstverständlichkeit ist.
Der erste Höhepunkt des Tages war der Klettersteig durch die Gauablickhöhle. Tatsächlich verläuft dieser Steig der Schwierigkeit C über etwa 20 Minuten durch eine Höhle im Berg. Es handelt sich dabei wirklich um ein Schmankerl! Nach etwa 100 Höhenmeter auf „normalem“ Klettersteig erreicht man den Höhleneingang. Mit Stirnlampe bewaffnet geht es hinein. Klettern muß man in der Höhle nicht. Ein durchgehendes Drahtseil dient der Orientierung und Sicherung. Nach diesem Highlight geht es wieder in die Nordwand der Sulzfluh.
Bei etwa 2600m ist der Ausstieg des Klettersteiges man erreicht ein Karstplateu. Über dieses geht es weitgehend eben hinüber zum Gipfelaufbau und über einige Schneefelder hinaus zum riesigen Gipfelkreuz. Der Abstieg verläuft durch eine tolle Felslandschaft , den Gemstobel, und weiter über üppige Wiesen mit toller Flora (Knabenkraut, Arnika und Wollgras in großer Fülle) zur Hütte. Am Abend war nicht mehr von Klettergarten die Rede, alle waren geschafft.
Die Carschinahütte war sehr gemütlich und am Abend wurde ein üppiges 3-Gang-Menü serviert. Wir genossen die herrliche Aussicht und den tollen Sonnenuntergang mit Blick in die Südwand der Sulzfluh. Diese sollte auch für den nächsten Tag das Ziel sein.
Für den dritten Tag stand das anstrengendste Tagesprogramm der Woche auf dem Plan. Zunächst wollten wir den Sulzfluh-Klettersteig durch dessen Südwand begehen. Danach stand noch der Übergang zur Schesaplana-Hütte auf dem Programm. Alles in Allem eine Gehzeit von ca. 10 Stunden.
Der Wecker wurde auf 4:45 Uhr gestellt.  Nach einem „Thermofrühstück“ in dem mit Stirnlampen erleuchteten Gastraum ging es dann mit Aufgang der Sonne um kurz vor 6:00 Uhr Richtung Wandfuß. Der Klettersteig der Schwierigkeit D wartet mit einigen schönen und auch anspruchsvollen Passagen auf. Höhepunkte sind sicher die eindrucksvollen Quergänge, bei denen häufig nur schmale Felsgesimse als Tritte dienen, die langen, teilweise senkrechten Leiterpassagen sowie eine Seilbrücke, mit deren Hilfe eine Schlucht überwunden wird. Einiges an Armkraft war gefragt. Den Abstieg kannten wir schon vom Vortag und so waren wir bereits um 10:00 Uhr wieder auf der Hütte. Der Hüttenwart meinte, wir hätten gemogelt!
Der Weiterweg über den Prättigauer Höhenweg zur Schesaplanahütte, welcher an der Hütte mit einer Gehzeit von 4:30 Std. angegeben war, zog sich hin. Ich wußte aus meiner Recherche, dass diese Zeit nicht zu schaffen ist. Die Sommerhitze machte uns an diesem Tag das Leben etwas schwer. Konnten wir morgens noch die angenehme Kühle in der Südwand der Sulzfluh genießen, so schwitzten wir jetzt mächtig bei jedem kleinen Anstieg. Eine Rast an einer ergiebigen Quelle nahe dem Schweizertor konnte unsere Lebensgeister nur kurz wieder wecken, denn danach ging es gleich wieder bergan. Nach knapp 6 Stunden (und wir hatten wirklich nicht gebummelt) erreichten wir die schöne Schesaplanahütte. Wir waren kaputt und hungrig. Trotz aufziehender Gewitter konnten wir noch auf der Terrasse speisen und dabei den bereits in der Ferne über dem Rhein sichtbaren Blitzen zuschauen.
Für den nächsten Tag stand die Überschreitung der Schesaplana auf dem Programm. Die Tour ist dank des steilen, aber kurzen Anstiegs sowie der auf österreichischer Seite nahen Totalphütte mit 5 Stunden recht kurz. Allerdings war das Wetter an diesem Tag schlecht. Schon kurz nach unserem Aufbruch zogen Gewitter auf und es begann zu regnen. Wir setzten unseren Aufstieg noch fort, da wir in der Südwand der Schesaplana vor Blitzen leidlich geschützt waren. Als wir das Gipfelplateu erreichten, hatten sich die Gewitter glücklicherweise verzogen und der Regen hatte aufgehört. Dafür blies ein kalter Wind. Wir deponierten die Rucksäcke und nahmen die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel unter die Sohlen. Dort angekommen nahm der Wind noch zu und es begann heftig zu regnen. Innerhalb kurzer Zeit waren wir durchnässt und nach fluchtartigem Verlassen des Gipfels konnten wir uns erst nachdem wir die windabgewandte Seite der Schesaplana erreicht hatten, wieder etwas aufwärmen. Alle waren wir froh, die Totalphütte erreicht zu haben. Warme Germknödel und Apfelstrudel mit Kaffee und anderen Getränken halfen uns, die Kälte und Nässe zu vergessen. Dieser Tag war doch etwas abenteuerlich und ungemütlich gewesen.
Am nächsten Tag erwartete uns wieder Dauerregen. Ein Gipfel war nicht drin. So gingen wir über die Staumauer des Lünersees und die Saulascharte direkt zur Heinrich-Hüter-Hütte, welche nach etwa 4 Stunden erreicht war. Den Nachmittag konnten wir uns mit Bouldern im hütteneigenen Kletterraum vertreiben.
Am nächsten Morgen war es immer noch bedeckt und neblig mit teilweise leichtem Regen. So sahen wir mit etwas gemischten Gefühlen der Tour auf die Zimba entgegen. Dieser Berg wird auch als das Matterhorn vom Montafon bezeichnet. Er ist nur auf einer Klettertour im III. Schwierigkeitsgrad zu erreichen. Im Abstieg muß einmal 40m abgeseilt werden.
Da das Wetter sich im Tagesverlauf bessern sollte, gingen wir nach dem späten Frühstück los Richtung Zimbajoch. Dort beginnt die eigentliche Kletterei. Das Wetter hatte sich stabilisiert und die Felsen waren abgetrocknet, wenngleich sich die Sonne noch nicht zeigen wollte. Die Kletterei machte keine größeren Probleme und so konnten wir zu fünft den Gipfel erreichen. Die Aussicht war leider durch umziehende Nebel eingeschränkt. Der spannende Abstieg durch alpine Kletterei im I. und II. Grad sowie die Abseilerei forderten uns noch etwas und kosteten Zeit. So waren wir erst um 16:00 Uhr wieder auf der Hütte. Dieser Berg wird allen noch lange in Erinnerung bleiben.
Am Abend war auf der Hüter-Hütte ein kulinarisches Highlight zu erleben: Der nepalesische Koch hatte ein landestypisches Buffet mit vielen exotischen Köstlichkeiten zusammengestellt. Es gab reichlichst! zu Essen und der Rekordhalter verputzte 4 Teller! Ein toller Abschluß und wie bestellt für den letzten Hüttenabend, mal ohne Hüttenruhe und mit reichlich geistigen Getränken.
Am folgenden Morgen erwartete uns strahlender Sonnenschein. Wir hatten am Abend noch diskutiert, ob der durch schlechtes Wetter ausgefallene Gipfel des Saulakopfes noch in Angriff genommen werden könnte. Beim Blick zum Himmel am Samstag war die Entscheidung schnell gefallen. Also los zum Saulakopf-Klettersteig. Dieser Steig ist mit der Schwierigkeit E (Stellen), der höchsten Schwierigkeit, angegeben und so waren wir gespannt, ob wir das ohne Probleme schaffen können. In der Rückschau stellten wir fest, dass dieser Steig auch nicht schwieriger war als der Sulzfluh-Klettersteig und eine Bewertung mit D wohl passender wäre. Diese Zugabe war ein purer Genuß . Wir konnten nochmals eine herrliche Aussicht auf unsere gesamtes Wochenprogramm werfen und uns so in dem Bewußtsein, nichts verpasst zu haben, an den Abstieg begeben.
Eine schöne Bergwoche mit vielen Höhepunkten und gemütlichen Hütten ging zu Ende. Die Stimmung in der Gruppe war toll und alle haben die Woche gut geschafft und daher voll genießen können. 




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