2005 – Skibergsteigen

Männerträume - Skitouren am Mont Blanc

Wovon träumen Skibergsteiger? - Einmal auf der Haute Route sein, von steilen Abfahrten durch lockeren Pulverschnee, von der Schwedenbar in Camonix und natürlich: einmal mit Skiern auf den Mont Blanc steigen!
So trafen sich sieben Träumer am Karsamstagmorgen in Argentière: Klaus, Friedrich, Wolfgang, Jan, Olaf, Roman und Christoph - das erste Mal seit Jahren, dass bei einer Sektions-Skitour keine Frau dabei war...

Haute Route: Die ersten Tage bewegten wir uns auf und ein wenig neben der berühmtesten Skidurchquerung, die man “gemacht haben muss!?” Während wir auf der Argentière-Hütte, dem ersten Stützpunkt der Haute Route, trotz wechselhaftem Wetter zusammen mit über 100 Tourengeher nächtigten, waren wir auf der grandiosen Cabane de Saleina die einzigen Gäste. Der Hüttenwirt freute sich ersichtlich über unsere Gesellschaft und kochte nur für uns - vorzüglich.
Während wir beim beeindruckenden Aufstieg zum Col du Chardonnet, der ersten Etappe der Haute Route, karawanenartig in einer breit ausgetretenen Trasse gingen, hieß es auf dem Weg zur Grand Lui auch mal eine eigene Spur treten - traumhaft schön.

Pulverschneeabfahrt: Ein besonderes Highlight war sicherlich die schier endlose Abfahrt vom Col du Tour ins Tal. Ein Hang war dabei, wie er perfekter nicht sein konnte. Der Hang, den alle Tourengeher suchen, steil und voller lockerem Pulverschnee.
Wer glaubte, in einsamer Gletscherwelt seine überschäumende Freude sorglos durch laute Jubelschreie kund tun zu können, wurde jedoch eines besseren belehrt. Wer glaubte, der Jubel würde in der Einsamkeit verhallen, war entsetzt, denn Olaf mit seiner Hightech-Kamera dokumentierte auch jeden Ton der Traumabfahrt.

Schwedenbar: Schlechtes Wetter zwang uns zu einem Ruhetag in Chamonix. Wir genossen die internationale Atmosphäre und besuchten die Bars der Skibumbs aus aller Welt. Wir nutzten den Tag zu ausgiebigen Völlereien und der eine oder andere verfiel in den gigantischen Bergsportgeschäften dem Rausch des Power-Shopping. Das böse Erwachen kommt wohl mit der Abrechnung der Kreditkarte.

Mont Blanc: Mit 80 prozentiger Wahrscheinlichkeit sollte das Wetter am Tag drauf wieder sonnig werden. Wir nahmen wohl die anderen 20 Prozent und standen vor dem Gletscher zur Gran Muletshütte in dichtem Nebel und Schneefall, so dass wir umkehrten und ein wenig enttäuscht den Heimweg früher als geplant antraten.
So bleibt uns der Traum vom höchsten Berg Europas, aber auch ein Wunsch für die Sektionstour im nächsten Jahr: Abseits der Modeberge wolle wir wieder Tiefschneehänge und Gipfel suchen, wo wir allein, aber nicht nur unter Männern sind ...

Christoph Jöst




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