2008 – Ausbildung

1x1 des Alpinismus 2008

Am Montag begaben sich sieben angehende Bergsteiger unter der Anleitung von Sebastian Südbeck in das legendäre Dachstein-Gebiet am Hallstätter See, um ihre (ersten) Erfahrungen im Hochgebirge mit Gletscherbegehungen und Klettersteigen zu sammeln. Vorausgegangen war eine informative Abendveranstaltung, in der wir unsere Wünsche und Anregungen sammelten und Sebi uns auf das vorbereitete, was uns erwarten würde…

Gestartet wurde kurz nach 13 Uhr an der Talstation der Krippensteinbahn. Nachdem das Material verteilt und verpackt war, brachte uns die Seilbahn zur Station bei der Gjaidalm, von der aus man schon einen ersten Blick auf das beeindruckende Felsmassiv des Dachsteingebiets erhaschen konnte. Nach einem etwas anstrengenden Aufstieg gelangten wir zu unserem „Basislager“ für die nächsten sieben Tage: Die Simonyhütte stellte sich als eine sehr nette und vor allem komfortable Berghütte mit freundlichem Personal und dem allseits beliebten Hüttenhund Strudel heraus. Nachdem wir unser Matratzenlager bezogen hatten fand abends ein ausführlicheres Kennenlernen und die Planung des nächsten Tages statt.

Der Dienstag überraschte uns mit zwei Neuigkeiten, die wir mitten im Juli nicht unbedingt erwartet hätten: zum einen anhaltender Schneefall, zum anderen Sebi´s Kommentar, dass dies für Bergsteiger nicht unbedingt ein Hindernis darstellen muss! Und so ging es nach einem reichhaltigen Frühstück hinaus in die weiße Pracht. Rund um das Schöberl am Fuß des Hallstätter Gletschers begann unsere erste Unterrichtseinheit mit Trittschulung, kleinen Klettereien und Vertrauensaufbau am Fels. Durchbrochen wurde diese Einheit durch gelegentliche Orientierungsübungen, bei denen wir erstaunt waren, wie schnell man die Richtung in Schnee und Nebel verlieren kann. Die anschließende Überschreitung der Schöberlschulter wurde für die Schwerpunkte Routenwahl, Orientierung, Gehen in der Gruppe und das Laufen mit Stöcken genutzt. Als ein geeignetes Schneefeld gefunden war, machten wir uns an die Einheit Sicherungen auf Schnee und Eis und bauten eifrig T-Anker, um uns selbst davon zu überzeugen, wie gut so eine Sicherung hält. Das anschließende Rutschen und Bremsen auf Schnee war nicht nur lehrreich, sondern auch äußerst unterhaltsam. Nachdem schlussendlich auch der Letzte von uns komplett durchnässt war, begaben wir uns gutgelaunt und bereits um zahlreiche Erfahrungen reicher zurück ins „Basislager“, wo uns trockene Kleidung und ein leckeres Abendessen erwarteten. Abends ging es bereits an die Planung der Abschlusstour am Samstag, wobei in drei Gruppen jeweils eine Tour rund um die Wildkarspitze, den Hohen Dachstein und den Koppenkarstein erarbeitet und vorgestellt wurde. Dabei lernten wir neben dem Umgang mit topographischen Karten und der Anwendung der Weg-Zeit-Formel auch das Herausarbeiten von Schlüsselstellen und möglichen Alternativen zur geplanten Tour.

Da uns auch der Mittwochmorgen mit Schneefall begrüßte, beschloss Sebi die nächste Unterrichtseinheit in die hütteneigene Kletterhalle - eine vollständig überdachte und umbaute Doline – zu verlegen, um dort die ersten Übungen zum Klettersteiggehen und zur Spaltenbergung zu absolvieren. Nach einer ausführlichen Demonstration wurden wir sieben Lehrlinge angeseilt und an einer senkrechten Wand abgelassen - für einige von uns bereits eine beeindruckende Erfahrung, verbunden mit einem enormen Vertrauensgewinn in Material und Ausrüstung! Die Aufgabe bestand nun darin, mit Hilfe von zwei Prusikschlingen am Seil hinaufzusteigen und sich anschließend mittels der Garda-Klemme - einer Art Flaschenzug - über die obere Felskante zu ziehen. Auf dem Rückweg zur Hütte schlug sich Kalli sein Knie leider so unglücklich am Fels an, dass er die restlichen Tage zwar nicht mehr an den Unternehmungen teilnehmen konnte, jedoch unverdrossen die Stellung im „Basislager“ hielt. Am Nachmittag wurde die Spaltenbergung mit Hilfe der losen Rolle schon einmal trocken im Matratzenlager geübt. Nach dem Abendessen gab es schließlich noch eine Einführung in die Wetterkunde, nach der wir mit der Hoffnung auf etwas weniger Schneefall in unsere Schlafsäcke krochen.

Den Donnerstagmorgen verbrachten wir - nun leider ohne Kalli - erneut in der Kletterhalle, da das Wetter trotz allen Hoffens immer noch nicht gut war. Hier wurde erneut die Spaltenbergung geübt, die nun schon erstaunlich gut klappte. Hinzu kam das Ablassen und Abseilen (auch zu zweit), um das Vertrauen in Material und eigene Kraft weiter zu steigern. Nachmittags übten wir als Vorbereitung für die Überquerung des Gletschers auf einem Schneefeld das Einrichten und Gehen in einer Seilschaft sowie die Spaltenbergung mit Hilfe der losen Rolle. Abends stand noch als Theorieeinheit Orientierung, Standortbestimmung und Richtungspeilung auf der Karte mit Hilfe des Planzeigers an.

Der Freitag zeigte sich bereits etwas wärmer und freundlicher und die Hoffnung auf Sonne schien an diesem Tag berechtigt. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in Richtung Gletscher, wo das Gehen mit Steigeisen auf dem Lehrplan stand. Zunächst erstiegen wir aber das Schöberl über einen Klettersteig, wobei uns das neu erworbene Wissen wertvolle Dienste leistete. Am Fuß des Gletschers wurden nun die Steigeisen angelegt, die Seilschaften gebildet und der Weg in Richtung Hoher Dachstein angetreten. Dabei machten wir die Erfahrung, wie schnell man sich im Nebel auf einer Schneefläche verlieren und vor allem auch verlaufen kann! Sebi konnte uns die Orientierung im Nebel jedoch mit einigen Tipps erleichtern und so zogen zwei kleine Tatzelwürmer im Nebel bergan in Richtung Seethaler Hütte. Nach einer kurzen Pause wurde an dem Windkolk unterhalb des Hohen Dirndls die Lehreinheit Spaltenbergung mit Hilfe der losen Rolle und des Mannschaftszugs praktisch geübt. Dabei wurde schnell deutlich, wie schwierig es ist, unter Zuglast einen T-Anker zu setzen und welche große Rolle dabei die Gruppenzusammenarbeit spielt; auch die Rettung einer Person mittels Mannschaftszug stellte sich als kraftraubender heraus, als es viele von uns vermutet hätten. Als unsere freiwilligen „Spaltenstürzer“ wieder gerettet waren, wurden noch die Besonderheiten und Schwierigkeiten beim Gehen in einer 2er-Seilschaft diskutiert und die in diesem Fall doch etwas komplexere Spaltenbergung direkt geübt. Auf dem Rückweg über den Hallstätter Gletscher brach zum ersten mal die Sonne durch die Wolken und somit konnten wir einen ersten verheißungsvollen Blick auf den Hohen Dachstein und die umliegenden Berge werfen - die beste Belohnung, die es für das bislang Erlernte hätte geben können und die uns für den nächsten Tag so richtig anspornte. Am Abend wurde noch einmal die bevorstehende Abschlusstour besprochen - sie sollte uns über die östliche Gletscherzunge auf den Hohen Dachstein und westlich, am Schöberl vorbei, wieder zur Hütte führen.

Da Kalli immer noch außer Gefecht gesetzt war, machten wir uns am Samstag bereits um 7 Uhr leider ohne ihn auf den Weg. Zunächst ging es über steilen Fels und teilweise wegloses Gelände in Richtung Gjaidsteinsattel, was vor allem mir einiges abverlangte, aber dank einer tollen Gruppendynamik letztlich doch zu schaffen war. Der Weg führte über den Gletscher stetig bergan in Richtung Windkolk, wobei wir bei herrlichem Sonnenwetter ein beeindruckendes Bergpanorama zu sehen bekamen. Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter in Richtung Hoher Dachstein. Um den Einstieg in den Klettersteig zu erreichen, mussten wir noch ein steiles Schneefeld und eine etwas Mut abverlangende Schneebrücke überwinden, wonach es ohne Zwischenstopp in die Via ferrata und stetig bergauf zum Dachsteingipfel ging. Zeitgleich ging es mit dem Sonnenschein leider stetig bergab, so dass wir tatsächlich unser Gipfelfoto im Nebel machen mussten und keinen wirklichen Weitblick genießen konnten. Nach dem Abstieg über den Klettersteig bildeten wir wieder unsere zwei Seilschaften und begaben uns auf den Abstieg, diesmal in richtig dichtem Nebel. Hierbei musste die zweite Seilschaft die Erfahrung machen, wie schnell andere Personen außer Sicht- und Hörweite geraten können, beziehungsweise die erste Seilschaft, wie lang die Minuten des Wartens und Horchens werden, wenn die Kommunikation zwischen beiden Seilschaften nur für einen kurzen Moment abbricht - eine lehrreiche Erfahrung für uns alle! Nachdem wir uns kurz darauf wieder gefunden und ohne Spaltensturz den Gletscher überquert hatten, erreichten wir glücklich und zufrieden unsere Hütte. Am Abend fand eine ausführliche Tourenbesprechung mit anschließender Manöver- und Kurskritik statt, bei der wir noch einmal Revue passieren ließen, was wir in dieser Woche alles gelernt hatten und wie notwendig eine grundlegende Ausbildung für Hochtouren ist. So ließen wir den Samstagabend und damit unsere Kurswoche gemütlich bei dem einen oder anderen Bier ausklingen und krochen ein letztes Mal zufrieden mit uns und dem Kurs in unsere Schlafsäcke.

Der Sonntag zeigte sich von seiner schönsten Seite und so konnten wir unseren Abstieg - diesmal über das Wiesberghaus - zur Gjaidalm mit Sonne und herrlichen Aussichten genießen. Gut gelaunt erreichten wir die Talstation und mussten nun leider Abschied nehmen - von den Bergen und vor allem von der Gruppe, da noch eine weite Heimfahrt für uns alle anstand.

Vielen Dank Sebi, für eine äußerst lehrreiche und vor allem erfahrungsreiche Woche, für die stete Motivation und die gewisse nötige Hartnäckigkeit an so manchen Knackpunkten. Vielen Dank auch an die ganze Gruppe für einen wunderschönen und tollen Sommerurlaub im Schnee - wir würden jederzeit wieder mit Euch auf Tour gehen!

Sonja Herzig




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